Die Familie Wommer in Hirstein

Unsere Familie Wommer fasste Anfang der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts Fuß in dem 200-Seelendörfchen namens Hirstein, dass nur wenige Kilometer von den Ortschaften Wolfersweiler und Eitzweiler entfernt liegt. Heute ist Hirstein ein Ortsteil der Gemeinde Namborn. Es liegt landschaftlich wunderschön gelegen an den Bachläufen von Eichertsbach, Wallesbach und Dreibach direkt am berühmten Schmugglerpfad an der ehemaligen Reichsgrenze. Mehr zur Umgebung und Kultur Hirsteins hier im SR-Video.

Der im Jahr 1809 geborene und aus Wolfersweiler stammende Johann Wilhelm Wommer wurde 1831 von der oldenburgischen Regierung eingestellt, um als erster evangelischer Elementar-Lehrer in Hirstein an der 1830/31 erbauten Schule zu arbeiten. [Quelle: Schulchronik Hirstein – vielen Dank an Rüdiger Andres!] In dieser Zeit lernte er seine zukünftige Frau Catherine Louise Carolina Friedericke Loch (1807-1870), aus Nohfelden stammend, kennen. Im Mai 1836 heirateten die Beiden und gründeten eine Familie.

Das ehemalige Hirsteiner Schultürmchen
Das ehemalige Hirsteiner Schultürmchen

Damals spielte sich in dem kleinen Dorf eine Geschichte ab, in der auch unmittelbar die Familie Wommer involviert war:

Das Schultürmchen Johann Wilhelm Wommers

Der Gemeinderat beschloss die damals zu kleine Wohnung des kinderreichen Dorfschulmeisters durch Zimmeranbau vergrößern zu lassen und ein Türmchen zur Aufhängung einer Schulglocke zu errichten. Das Glockenseil führte durch ein Loch in der Decke direkt in die Wohnung von Johann Wilhelm Wommer. Ein hitziger Streit entbrannte in der Gemeinde über die Frage ob nun ein Kreuz oder aber ein Hahn die Spitze des zwiebelförmigen Glockentürmchens krönen sollte. Der Erbauer des Türmchens, Meister Kunz, löste den schwierigen Fall daraufhin kurzerhand auf seine Weise:

In der Dorfschmiede fertigte er fünf eiserne Vollmonde an, setzte sie übereinander und oben darauf einen Halbmond. Sein grimmiger Kommentar: „Wenn sich der Gemeinderat wie die händelsüchtigen Türken anstellt, soll er auch das Richtige bekommen„. [Quelle: www.namborn.de]

Der Heimatforscher Rüdiger Andres mit Thomas Wommer beim Betrachten des Schulgebäudes sowie Elternhauses des Urgroßvaters Wilhelm Wommers und in der Schulchronik Hirsteins
Der Heimatforscher Rüdiger Andres gemeinsam mit Thomas Wommer beim Betrachten des Schulgebäudes sowie Elternhauses des Urgroßvaters Wilhelm Wommers in der Schulchronik Hirsteins
Rechts unten im Regal – das sieht doch nach der Türmchenspitze aus?

Unklar ist jedoch noch die genauere Symbolik, die sich hinter den fünf Voll- und den einen Halbmond an der Spitze verbirgt. Bei Bares für Rares ist ein Kunstgegenstand in der Studiokulisse vorhanden, dass doch sehr an die Türmchenspitze erinnert! Vielleicht steckt ja noch mehr dahinter!

Das Schultürmchen mit der bemerkenswerten Sehenswürdigkeit auf seiner Spitze wurde 1964 offiziell „wegen Baufälligkeit“ abgetragen. Die Schmach von Damals vergessen zu machen, könnte jedoch als weitere Motivation für den Abriss in Betracht gezogen werden. Denn die Mauern der Schule standen noch bis 2019, wenn auch in einem traurigem Zustand. Durch mehrere Umbauten erinnerte faktisch nichts mehr an die ursprüngliche Pracht. Wie Schade, dass man dieses – in Deutschland wohl einmalige – Gebäude so verfallen lassen hat! Hierbei handelte es sich sicher um eines der ersten Gebäude auf deutschen Boden, das mit Halb und Vollmonden auf diese eindrucksvolle Weise verziert wurde.

Die traurige Ruine der "umgebauten" ehemaligen Schule Hirsteins im Jahr 2018 kurz vor dem endgültigen Abbruch
Ruine der „umgebauten“ ehemaligen Schule Hirsteins – abgebrochen 2019

Im Jahr 2020 – über 55 Jahre nach Abriss des Türmchens – tauchte die Turmspitze plötzlich wieder auf. Ein beherzter Bürger der Gemeinde hatte damals beim Abriss die Spitze vor dem Verschrotten bewahrt und der Gemeinde Hirstein abgekauft. So konnte durch diese Familie der wichtigste Teil der kuriosen Geschichte über die Lebensdauer des Gebäudes hinaus gerettet werden. Geplant ist nun das gute museale Stück der Schmiedekunst im Rathaus dekorativ zu verwenden.

Epilog

Johann Wilhelm Wommer verstarb nach längerer Krankheit im Mai 1850 im noch jungen Alter von 41 Jahren, so dass seine Frau und seine fünf noch minderjährigen Kinder auf sich Allein gestellt waren. Seine Frau verblieb mindestens bis Mitte der 1860er in Hirstein, wie das Wanderbuch ihres Sohnes Wilhelm belegt. 1870 wurde sie wohl auf den Friedhof in Nohfelden begraben. In Nohfelden gründete ihr Sohn Karl die Gaststätte „Oldenburger Hof“ nach dem er viele Jahre dort als Postagent gearbeitet hatte. Die anderen 4 Kinder verschlug es in die weite Welt. Sein erster Sohn Wilhelm, unser Stammvater, ging auf Wanderschaft und fasste letztendlich Fuß in Leipzig. Die anderen 3 Kinder, die wohl alle beim Onkel Jacob Wommer in Wolfersweiler im Laden lernten, wagten nach und nach den Sprung über den großen Teich in die USA, Minneapolis – doch das sind alles andere Geschichten… wie auch, dass sich bereits Ende des 18ten Jahrhundert eine weitere Familie Wommer – vermutlich aus Eitzweiler stammend – in Hirstein ansiedelte. In Aufzeichnungen der Schulchronik finden sich deren Nachkomme Christian Wommer (*1860) wieder der mit Karoline … (*1870) verheiratet war. Sie hatten 3 Kinder – Wilhelm (*1888 – Verlustliste 1-WK, gefallen Mai 1917), Martha (*1892) und Emil (*1894 – Verlustliste 1-WK – verm. gefallen Sept. 1915). Doch auch diese Geschichte muss jemand Anderes weiter erzählen!

Der Schmugglerpfad
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