Architektur u Ingenieurbüro Georg Wommer

In seiner kurzen Schaffenszeit entwarf Georg Wommer (1878-1915) relativ viele Gebäude-Komplexe und Fabrikbauten im sog. Reformstil. Georg Wommer widmete sich zunächst dem Bau von Fabrikbauten, maschinellen Anlagen sowie Betriebsanlagen. Später erweiterte er sein Portfolio auch mit Wohnhäusern. Sein Büro war in der Windmühlenstraße 48 in Leipzig ansässig. Für wenige Jahre führte zudem Georg Wommer zusätzlich die Fa Gebrüder Wommer.

Typisch für seinen Baustil von Wohnhäusern sind großangelegte Tore, kleinere Seiten-Flügel und figürliche Reliefs mit Kindern und Tieren –  wie man z.B. auch am Gebäudkomplex in der Jahnallee/Luppenstraße in Leipzig feststellen kann.

Relief Jahnallee
Relief Jahnallee 67

Meist findet sich auch eine Plakette mit seinem Namen. Auf diesen Weg konnten in Leipzig schon einige Gebäude von ihm aufgespürt werden. Viele Industriebauten Georg Wommers – wie im Falle der Drahtstift- und Drahtwarenfabrik Max Billhardt, Markranstädter Str. 4, Leipzig – wurden im sog. Reformstil projektiert. Leider scheint kein Verzeichnis seines Schaffens zu existieren, weshalb wir dankbar für jeden Tipp sind!

Fabrikbauten

Verwaltungsgebäudes der Maschinenfabrik Dr. Gaspary & Co. in Markranstädt
Verwaltungs-Gebäude der Maschinenfabrik Dr. Gaspary & Co. in Markranstädt
  • Reform Motorenfabrik als 6. Fabrikanlage in Böhlitz-Ehrenberg
  • Drahtstift- und Drahtwarenfabrik Max Billhardt um 1908, Markranstädter Str. 4, Leipzig
  • Wasserturm der Blancke-Werke in Merseburg
  • Zuckerraffinerie Lene & Weiße – Standort unbekannt
  • Buchdruckerei- und Ankündigungsgebäude in der Steiermark für die Fa. Wilh. Simas, in Deutsch-Landsberg, Fabrikstr.
  • Geschäftshaus im Leipziger Zentrum – unbekannter Standort
  • Gebäudekomplex für das Rittergut Adelwitz, Kreis Torgau (Gestüt, Torgebäude, Einfahrt, Schmiede, Stellmacherei, Maschinenschuppen, Kesselhaus)

WohnHäuser

Jahnallee 65-71
Jahnallee 65-71
  • zwei große vornehme Wohnhäuser für die Fleischerinnung am Stephaniplatz, Leipzig
  • Gebäudekomplex Luppenstr. 5-9 und Jahnallee 65-71, Leipzig um 1910
  • Auftrag der Fa. Großbuchbinderei H. Fikentscher für ein Wohnhaus (unbekannter Standort) mit Bezug 01.10.1910 – event. handelt es sich hierbei um den oben erwähnten Gebäudekomplex an der Jahnallee in Leipzig
  • Shakespearestr. 47, Leipzig (damals Sophienstr. für Krause) um 1911
  • Umbau an Otto Diestelmanns Gebäude Lösnigerstr. 54
  • „feines Wohnhaus“ in Gohlis (unbekannter Standort)
Auftrag der Fa. Fikentscher
Auftrag der Fa. Fikentscher

Lange wussten wir fast nichts von Georg Wommer. Zum ersten mal erfuhren wir zu tiefsten DDR Zeiten von seiner Existenz, als wir von der Kleinenmesse an der Straßenbahnhaltestelle der Leipziger Angerbrücke plötzlich seinen Namen an der Gebäudemauer entdeckten.

2018 kamen wir durch glückliche Umstände an Briefe von Georg Wommer, die wir im ehemaligen Stammhaus der Wommers in Wolfersweiler fanden. Darin wurden noch weitere Gebäudekomplexe in und außerhalb Leipzigs erwähnt. Höchstwahrscheinlich wurde Georg Wommer als Jugendlicher von Paul Möbius – ein berühmter Vertreter des Leipziger Jugendstils – für seine Fachrichtung inspiriert: Möbius wurde von seiner Familie und dem Fleischermeister Nietzschmann zum Bau eines Ausstellungspavillons zur Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig 1897 engagiert.

Georg Wommer wurde schon mit 37 Jahren hochverschuldet (wie ebenfalls aus den Briefen hervorging) aus seinem Leben gerissen. Die Umstände seines frühen Todes sind unklar.

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