Wommer-Werk G.m.b.H. Lipsia

Das Unternehmen Wommer-Werk G.m.b.H. wurde 1915 von Karl Wommer erneut gegründet. Im Gegensatz zur Karl Wommers vorheriger Firma mit gleichem Namen Wommer Werk G.m.b.H., die ein Jahr zuvor aufgelöst worden ist, wurden statt Elektromotoren nun Fleischereimaschinen produziert und vertrieben. Möglich wurde dies durch den Ablauf der 5jährigen Sperrfrist – einer Konkurrenzklausel im Gesellschaftervertrag der Gebrüder Wommer, wo Karl zuvor als technischer Direktor ausgeschieden war. Damit arbeitete Karl Wommer wieder in seinem vertrauten Metier und stand nun in direkter Konkurrenz zum Bruder Max Wommer von den Gebrüdern Wommer.

Ansicht der Fabrik Wommer-Werk G.m.b.H. 1915 in Leutzsch - Eisenbahnstr. 7 (heute Franz-Flemming-Str. 7)
Ansicht der Fabrik Wommer-Werk G.m.b.H. 1915 in Leutzsch – Eisenbahnstr. 7 (heute Franz-Flemming-Str. 7) aus Karl Wommers Chronik
Lipsia Marke

Der Standort des Wommer Werks war im Jahr 1915 in Leutzsch in der Eisenbahnstr. 7 (heute Franz-Flemming-Str. 7). Dort gelang es Karl praktisch aus dem Nichts ein Unternehmen zu schaffen, dass sich bald weitester Wertschätzung und regster Unterstützung seitens alter, treuer Abnehmer erfreuen konnte. Sämtliche Modelle waren eigene Konstruktionen Karl Wommers, wie er sie in dreißigjähriger fachmännischer Tätigkeit genau ausprobiert hat. Noch ungeklärt ist der Widerspruch zwischen den Grundrissen der Fabrikgebäude auf Kartenmaterial und der Zeichnung der Firma in Karl Wommers Chronik. Nach Neugründung ging es nicht weniger Turbulent zu, wie in den Jahren zuvor, denn bereits am 25.10.1915 veließ Erich Hermann Ferdinand Ziersch den Posten als Geschäftsführer nach wenigen Monaten.

Fabriziert wurden unter der Schutzmarke „Lipsia“ Maschinen für Wurstfabrikation, Konservenfabriken und Talgschmelzen. Im einzelnen waren dies vollständig geräuschlos arbeitenden Fleisch- und Talgschneidemaschinen ohne Zahnräder, Spezialbrühwurstmaschinen „Cutter-Rapid“, Fleischwiegeapparate mit Momentkupplung und Momentbremse (vollständig unfallsicher), Zwillings-, Drillings-, Vierlings- und Fünflingsmaschinen für beschränkte Raumverhältnisse, Knochensägen, Gewürzmühlen, Schleifsteine und stehende Wurstfüllmaschinen, um alle Sorten Wurst füllen zu können, sowie Haushaltfleischhackmaschinen.

Geliefert wurden die markengeschützen „Lipsia“-Fleischereimaschinen ausschließlich an Fleischereigerätehändler und Darmhändler im In- und Ausland.

Für 1923 Geplante Fabrik Wommer-Werk - Zschochersche Straße 58-60
Für 1923 geplante Fabrik Wommer-Werk – Zschochersche Straße 58-60
Reichsanzeiger zum Konkursverfahren
1925 – Zschochersche Straße
1927 – Zschochersche Straße
Wommer-Werk
Sohn Karls tritt als Gesellschafter aus Reichsanzeiger 6.1.1938

Infolge der rapiden Ausdehnung des Geschäfts innerhalb weniger Jahre erwies sich die damalige Betriebsanlage als zu beschränkt. Im Oktober 1917 erwarb Karl Wommer mit Hilfe der Commerz- & Privatbank Leipzig-Leutzsch von der angeheirateten Familie Foerstendorf seines Bruders Richard Wommer ein 6.000m² Grundstück mit Eisenbahnanschluss an der Zschocherschen Straße 58-60 in Leipzig-Plagwitz.

1923 sollte der Geschäftsbetrieb in einem mehrstöckigen Fabrikgebäude inklusive Bürogebäude an dem neuen Standort starten. Jedoch ist nicht geklärt ob das Fabrikgebäude je fertig errichtet worden ist und nur das Bürogebäude vollendet wurde. Da im Jahr 1923 die Produktion von Fleischereimaschinen in Wurzen von der Richard Klinkhardt G.m.b.H. angestoßen wurde, ist davon auszugehen, dass die Fabrik nicht fertig gestellt wurde.

Die Hyperinflation und deren Folgen führten sicherlich dazu, dass Ende 1925 mit dem neuen Geschäftsführer Junghans Insolvenz beantragt werden musste. 1927 ist für das Grundstück mit der Nummer 60 „Abbruch“ im Straßenverzeichnis vermerkt – vielleicht ein Hinweis dafür, das ein begonnener Fabrikbau wieder abgebrochen wurde. Die Firma wurde nach der Insolvenz einfach weiter am Zweitstandort in der Eisenbahnstr. 7 in Leutzsch weiter betrieben. Geschäftsführer waren zu diesem Zeitpunkt Karl Wommer, Johannes Junghans und Kaufmann Ernst Hüther.

Anfang der 30er wurden die Maschinen von Fleischwölfe und Cutter aus Grauguss in Wurzen weiter von Reinhard Klinkhardt, der die Produktionsräume der Richard Klinkhardt G.m.b.H. übernommen hatte, produziert. Die Firma Wommer-Werk stellte nur noch die Konstruktion und Modelle zur Verfügung und übernahm den Vertrieb. [Die Wurzener Industrie 1797-2002 – Richard Klinkhardt – 2005]. Ab 1935 wurde für einige Jahre wurde der Vertrieb der Maschinen aus der Philipp-Reiß-Straße 83 organisiert.

Im Jahr 1937 folgt die Umwandlung der Firma Wommer-Lipsia in eine Kommanditgesellschaft, in der Reinhard Klinkhardt als Kommandist war. Karl Wommers Sohn Wilhelm Ludwig Karl zieht sich kurz darauf 1938 als Gesellschafter zurück. Der neue und letzte Standort der Firma war nun die Bülowstr. 41 in Leipzig.

Briefkopf im Jahr 1937
Briefkopf im Jahr 1937

Kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs am 25.11. 1945 stirbt Karl Wommer. Nach Gründung der DDR leitet der in Leipzig lebende Komplementär und Geschäftsführer Junghans die Gießerei von Reinhard Klinkhardt von ca. 1950-1956. [Die Wurzener Industrie 1797-2002 – Richard Klinkhardt – 2005]

Im Januar 1971 erfolgt die Löschung der Firma.

Links: Marie Emma Klara (geb. Wommer) und Johannes Junghans (letzter Geschäftsfüher der Fleischereimaschinen K.G.) - Mitte vorn Georg Wommer und Kind Thomas Wommer in den Armen von Frieda Erna Salomo (geb. Kugel)
Links: Marie Emma Klara (geb. Wommer) und Johannes Junghans (letzter Geschäftsfüher der Fleischereimaschinen K.G.) – Mitte vorn Georg Wommer und Kind Thomas Wommer in den Armen von Frieda Erna Salomo (geb. Kugel)

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