1920 Fa. Gebr. Wommer (Inh. Max Wommer)

Trotz der Turbulenzen des ersten Weltkrieges, des Kapp-Putsch-Versuchs und der Hyperinflation mit ihren Höhepunkt 1923 wurde die Firma Gebrüder Wommer in Leipzig Plagwitz – in der zum 50sten Firmenjubiläum bis zu 200 Mitarbeiter angestellt waren – weiter unter Max Wommer ausgebaut.

Ein Erweiterungsbau an der Werkhalle wurde Ende 1923 vollendet und in Betrieb genommen worden, dank seiner modernen Einrichtung gestattete, eine wesentliche Produktionserhöhung durchzuführen und auch bei gesteigerten Ansprüchen seitens der Abnehmer prompte Bedienung zu gewährleisten.

Der nach modernsten Grundsätzen organisierte und mit den neuesten technischen Errungenschaften ausgestattete Betrieb umfasste nun Dreherei, Fräserei, Montagewerkstatt, Schleiferei, Modelltischlerei – kurz, alle Einrichtungen, die damals zu einer auf der Höhe stehenden Maschinenbauanstalt gehörten.

"Saxonia"-Fleischereimaschinen-Fabrik nach dem Erweiterungsbau im Jahr 1923
„Saxonia“-Fleischereimaschinen-Fabrik nach dem Erweiterungsbau im Jahr 1923

Auch die technische Weiterentwicklung der produzierten Maschinen machte nicht halt: Die damals noch üblichen Transmissions-Maschinen wurden nach und nach mit Elektro-Maschinen ersetzt. So brachte das Jahr 1924 drei mehrfach patentierte Neukonstruktionen:

  1. „Saxonia“-Motorwolf als Ladenmaschine für Schabefleisch;
  2. „Saxonia-Patentschnellschneider mit automatischer Messervorlage und
  3. „Saxonia“-Kippkutter, d. h. Kutter größten Typs mit kippbarer Schüssel.
Saxonia - Werbeblatt in der Fleischei-Verbandszeitung-Berlin Nr. 98
Werbeblatt in der Fleischei-Verbandszeitung-Berlin Nr. 98

Nahezu 60% der produzierten Fleischereimaschinen wurden damals exportiert, was sicherlich einer der Schlüssel zum Überleben der Firma in dieser schwierigen Zeit war. Während der Inflation 1924 war laut Aussage Alexander Wommers – Firmeninhaber Trixonia in Waldhof (Helsa) und Neffe Max Wommers – die Firma Gebrüder Wommer eines von 12 maßgebenden Unternehmen in Deutschland, die zur Unterstützung der Goldmark herangenommen wurden. Ein direkter Beleg für die Beteiligung der Gebr. Wommer konnte noch nicht gefunden werden – jedoch gab es tatsächlich das Konzept einer Währungsstabilisierung durch die Rückkehr zu einem festen Wechselkurs im Rahmen des internationalen Goldstandards, was besonders von exportorientierten Industriekreisen und Ökonomen wie dem damaligen Liberalen Hjalmar Schacht und dem Sozialdemokraten Rudolf Hilferding favorisiert wurde.

Aber auch in der Forschung war Max Wommer sehr engagiert. So förderte er, laut Quelle des Universitätsarchiv Leipzig, in den Jahren 1920-1922 zusammen mit Dr. F. König (Rauchwaren-Färberei) finanziell den Ausbau und die Entwicklung einer Kolloid-Abteilung des Physik.-Chem. Instituts der Universität in Leipzig. Wolfgang Ostwald, der Sohn des Nobelpreisträgers für Chemie von 1909 Wilhelm Ostwald (1853-1932), benötigte damals für seine Praktikumsversuche und Forschungsarbeiten geeignete Laborräume für einen damals noch kaum anerkannten Forschungszweig. 1922 wurde in Anwesenheit des Ministerialrates Seydewitz die „Kolloid-Abteilung des P.C.I. der Universität Leipzig“ eröffnet.

Max Wommer widmete außerdem Mitte der 20er Jahre einem neuen Industriezweig – der elektrolytische Verchromung – zu und gründet „Chrom-Industrie Anlagen Max Wommer“ – Galvanische Einrichtungen in Rückmarsdorf bei Leipzig .

Ende der 20er Jahre durchlebt die Firma Gebrüder Wommer eine Transformation zu einer Aktiengesellschaft. Der verschollene Werbefilm „Saxonia, die Weltmarke für Fleischereimaschinen“ produziert von der Firma Werk- und Werbefilm GmbH Leipzig von 1927 (Quelle www.filmportal.de) ist ein Beleg für den Versuch neue Geldgeber zu gewinnen.

Wenige Jahre später überlässt Max Wommer „Gebrüder Wommer AG“ der Familie Paul Wilhelmi, die die Mehranteile an der Firma erworben wird. Das Schicksal der Firma liegt im dritten Reich erstmalig nicht mehr in der Hand der Familie Wommer.

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