Firma Gebrüder Wommer – Ab 1905

Am neuen Firmenstandort in der Gießerstraße 47, mit direktem Gleisanschluss (Gleisfinger) zum ehemaligen Sammelgleis an der östlichen Ladestraße, blühte die Firma auf. Auf diversen Fachausstellungen bekamen die Fabrikate goldene Medaillen als höchste Auszeichnungen. Im Jahre 1905 wurde der Firma als Krönung ihrer Leistung die Königl. Sächsische Staatsmedaille verliehen. Im gleichen Jahr wurde ein weiteres Gebäude – ein industrieller Profanbau – das als Wirtschaftsgebäude und später auch Wohnhaus diente errichtet.

Firmenansicht Gießerstr. 47 mit um1905 errichteten Profanbau
Firmenansicht Gießerstr. 47 mit um 1905 errichteten Profanbau

Doch nach 6 1/2 Jahren am neuen Standort erkrankte der Inhaber Friedrich Wilhelm Wommer unheilbar schwer an einer Nervenkrankheit, so dass zunächst sein Bruder Karl Wommer die Firma operativ leitete. Als sich die Krankheit verschlimmerte klagte Karl auf das Ausscheiden seines Bruders Wilhelm aus der Firma und forderte er alle Kredite der Verwandtschaft bis ins Jahr 1912 bei 5% einzufrieren, was zu einer Widerklage von Georg Wommer führte, der seit 25.08.1908 Vormund von seinem Bruder Wilhelm war und sich nun ebenfalls um die Geschicke der Firma bemühte. Zudem stellte Karl Wommer die monatlichen Zahlungen an Wilhelms Wommers Familie ein und blieb auch seine Miet- und Steueranteile schuldig, so dass es bald zum Zerwürfnis wg. Bereicherung aus Geschäftsvermögen kam. Eine Inventur und Revision der Firmenbilanz erfolgte um die tatsächliche finanzielle Lage abzubilden.

Gesellschaftervertrag 1909 Gebrüder Wommer
Gesellschaftervertrag 1909

Kurz darauf starb Wilhelm am 22.11.1908. Der Prozess gegen Karl Wommer fand im Frühjahr 1909 statt und führte dazu, dass Karl den Ausstiegsvertrag, der ihn Weihnachten vorgelegt wurde im Frühjahr nach einigen Anpassungen annahm. Karl Wommer wurden seine Anteile ausgezahlt, verließ die Firma und musste sich durch eine Konkurrenzklausel zunächst einem anderen Betätigungsfeld (Elektromotorenproduktion) widmen.

Gesellschaftervertrag 1909 Gebrüder Wommer
Gesellschaftervertrag 1909

Ohne die familiäre finanzielle Unterstützung in Form von Bürgschaften und Aktien aus Wolfersweiler während der schwierigen Monate hätte dieses Zerwürfnis das Ende der Firma bedeuten können, obgleich Georg in Briefen immer wieder an seine Geldgeber beteuerte, dass trotz schlechter Konjunktur der Auftragsbestand sehr hoch sei, Neueinstellungen erfolgten und monatlich ca. 60-75.000 Mark Umsatz erwirtschaftet würden. Jedoch sah es auf der Habenseite sicher nicht ganz so positiv aus, wie die folgenden Jahre zeigen sollten.

Die Gebrüder Wommer firmierten offiziell im Dezember 1909 Berta Wommer (Witwe Wilhelm Wommer) als Alleinbesitzerin, Georg Wommer als Generalbevollmächtigter und ein weiterer Bruder – Max Wommer, der die Geschicke der Firma bis in die 30er Jahre begleiten sollte. Als Prokuristen wirkten nun die Herren Oswald Riemann und Paul Schweizer. Januar 1910 nahm Wilhelm Wommers Witwe ihren Schwager als Teilhaber in die Firma auf und überließ ihm die gesamte Leitung für gemeinschaftliche Rechnung. Ihre Zeichnungsberechtigung hörte damit auf.

Jedoch stellte sich keine Ruhe in der Firma ein. Der neue Prokurist Paul Schweizer wurde nach nur wenigen Monaten aufgrund von Forderungen nach mehr Entscheidungsbefugnissen die im Widerspruch zu seiner geringen Erfahrung mit 27 Jahren standen wieder gekündigt. Damit waren seine Einlagen wieder verloren und sein Vertrag, der erst Ende des 1910 auslief, verursachte eine erneute finanzielle Lücke von 27.500 Mark.

1911 unterstellte Georg seinem Bruder Max Wommer und den „Genossen“ Pohle und Richard Gelder in Höhe von über 20.000 Mark zu unterschlagen und für das erste Quartal 1910 unberechtigter Weise Gewinn in Anspruch zu nehmen, obwohl der Stichtag der 11. April 1910 hätte sein müssen. Ein Prozess würde folgen. In einem Brief an Wolfersweiler schrieb er: „Ich muss abbrechen, hier furchtbar zu arbeiten. Aber glücklicher Weise geht alles voran. Brief folgt“. In einem weiteren Brief schreibt Georg, dass am 7. April 1911 das Landesgericht wohl verkünden werde, dass Pohle und infolge dessen auch Georgs Bruder Max die Firma verlassen müsse. Darauf folgten Zeilen, die seine Verzweiflung zeigen: „Ich habe vor alsdann die Firma im ganzen an einen Herrn der über 500.000 Mark besitzt zu verkaufen, so dass Euer Geld durch Auszahlung von Bertas‘ u. meines Anteils frei wird und an Euch zurück gezahlt würde. Solltet Ihr einverstanden sein, so könnten Berta und ich weiter Teilhaber bleiben und die Zinsen bzw. Gewinnanteile an Euch abgeführt werden.“ Gleichzeitig schrieb er an die Geldgeber aus Wolfersweiler wie prekär seine finanzielle Situation sei und eine weitere Bürgschaft benötige.

Georgs Briefe enden am 14.04.1911: „M.L.! Hiermit zur Kenntnis, dass wir aus der Fa. Gebrüder W. ausgetreten sind. Und zwar mit Entlassung aus der Haftung der Hypotheken und Haupt-Gläubiger wie Pohle sen., Wendt, Heinze, Riemann etc., da wir sonst 5 Jahre lang haften müssten. Näheres folgt im nächsten Brief. Ich kann leider jetzt Ostern noch nicht zu Besuch kommen, da ich hier ein großes Objekt bearbeiten muss. Ich gebe noch rechtzeitig Nachricht. Herzlich gegrüßt und fröhliches Fest, Euer Georg“

Was zur plötzlichen gütlichen Einigung der offenen Handelsgesellschaft Gebrüder Wommer der beiden Parteien – mit Georg und Berta auf der einen sowie Max Wommer und Pohle auf der anderen Seite – führte ist nicht bekannt. Georg Wommer wurde mit 30.000 Mark und Berta Wommer mit 72.000 Mark in Raten ausgezahlt. Die laufenden Prozesse wurden eingestellt und die Prozesskosten geteilt.

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